Kinder die Gemüse schneiden und das Essen abschmecken

Ernährungsbildung in der Kita

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Kinder lernen durch Erfahrungen bei der täglichen Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt. Das gilt auch für das Essen und Trinken. Daher bieten Mahlzeiten in der Kita zahlreiche Gelegenheiten, um die Weichen für ein positives Essverhalten zu stellen. Durch die pädagogische Begleitung beim Essen und Trinken und die Einbeziehung der Kinder in Tätigkeiten rund um die Mahlzeiten könnten Kitas nahezu alle Bildungsfelder abdecken, die die Bildungs- und Orientierungspläne für frühe Bildung in den einzelnen Bundesländern nennen.

Essen lernen und Kompetenzen aufbauen

Bedeutung von Ernährungsbildung in der Kita

Das Essverhalten spiegelt die Erfahrungen wider, die Kinder mit und beim Essen gemacht haben. Darum sollten Kinder die richtigen Erfahrungen machen können, damit sie ein günstiges Essverhalten entwickeln, das sie lebenslang beibehalten (1).  Das Setting Kita hat durch den Ausbau der Ganztagseinrichtungen und den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder nach dem vollendeten ersten Lebensjahr eine wachsende Bedeutung für den Kompetenzerwerb rund um eine gesundheitsförderliche Ernährungsweise. Werden Essen und Trinken in der Kita in die pädagogische Arbeit eingebettet, ergeben sich wertvolle Lerngelegenheiten, die Selbständigkeit, Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein der Kinder stärken.

Grundlagen der Ernährungsbildung

Die Bildungs- und Orientierungspläne für Kindertageseinrichtungen der Bundesländer bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Ernährungsbildung (2). Neben Lehr-/Lernarrangements findet Ernährungsbildung in der Einrichtung überwiegend als selbstverständlicher Bestandteil der Erlebniswelt Kita statt. Das Fördern des Forscher- und Entdeckertums rund um Lebensmittel, ihre Eigenschaften, ihre Verarbeitung und Zubereitung sowie der Ablauf der täglichen Mahlzeiten spielen dabei eine wichtige Rolle. Um Ernährungs- und Gesundheitskompetenzen der Kinder zu fördern, sind positive Emotionen und Erfahrungen beim und mit dem Essen und Trinken wirksame Begleiter. Die Berücksichtigung der individuellen und kulturellen Erfahrungen der Kinder sowie der Haltungen und Einstellungen der Familien stellt eine große Herausforderung dar, hat gleichzeitig aber auch ein großes Potenzial für das Essen und Trinken in der Kita. Die pädagogischen Fachkräfte begleiten die Kinder in ihren Entwicklungsschritten und haben die Aufgabe, die speziellen Bedürfnisse jedes einzelnen von ihnen wahrzunehmen und nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Das „Essenlernen“ in dieser Entwicklungsphase der Kinder ist maßgeblich ein soziales Lernen, das für das Lernen am Modell, das Imitations- und Identifikationslernen Vorbilder benötigt. Dies sind in der Kita vor allem die anderen Kinder und die pädagogischen Fachkräfte. Durch die bewusste Gestaltung von Alltagssituationen kann soziales Lernen stattfinden. Die Kinder erwerben verschiedene motorische, soziale und kognitive Fertigkeiten und erfahren Selbstwirksamkeit. Damit schafft die Kita die Basis dafür, dass Kinder auch im Bereich Ernährung so früh wie möglich kompetent sind. Praxisorientierte Handlungsempfehlungen auch für die Ernährungsbildung in Kitas im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes gibt beispielsweise der Referenzrahmen zur Qualitätsentwicklung in der guten gesunden Kita, der im Rahmen des Berliner Landesprogramms „Kitas bewegen – für die gute gesunde Kita“ erarbeitet wurde und als internes Evaluationsinstrument für den Prozess der Qualitätsentwicklung anerkannt ist (3,4,5).

Weiterentwicklung der Ernährungsbildung in Kitas

In den meisten Ländern gibt es keine eigenen, evaluierten Konzepte oder konkrete Vorgaben für einen ganzheitlichen Ansatz von Ernährungsbildung in den Bildungs- und Orientierungsplänen. Die konzeptionelle und praktische Verknüpfung von Kitaverpflegung und Ernährungsbildung obliegt daher den Trägern und den einzelnen Einrichtungen. Die Sensibilisierung der Träger und Leitungsebenen, die Fortbildung von Mitarbeitern und Teams, der ständige Austausch zwischen den Beteiligten in der Kita und die Einbeziehung der Eltern sind zurzeit wichtige Voraussetzungen, damit Ernährungsbildung gelingt.

Das NQZ möchte allen Akteuren als verlässlicher Partner bei der Qualitätsentwicklung zur Seite stehen, indem es erfolgreiche Maßnahmen bündelt und koordiniert sowie gute Praxisbeispiele aufzeigt. Ein Ziel ist es außerdem, praxistaugliche Handlungskonzepte auf Basis von ernährungsphysiologischen, psychologischen, soziologischen und pädagogischen Grundlagen weiterzuentwickeln, an denen Kitas sich im Hinblick auf eine umfassende Ernährungsbildung orientieren können.

Quellen

 (1) Pudel V: Warum Kinder anders essen, als sie sich ernähren sollten. Das Essverhalten ist emotional gesteuert und kognitiv kaum beeinflussbar. In: TPS –Theorie und Praxis der Sozialpädagogik. Leben, Lernen und Arbeiten in der Kita. S. 10-13 (2008)

(2) bildungsserver.de: Länderüberblich Elementarbildung

http://www.bildungsserver.de/Laenderueberblick-Elementarbildung--4236.html

(3) Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Berliner Landesprogramm „Kitas bewegen – für die gute gesunde Kita“ (Hrsg.): Referenzrahmen zur Qualitätsentwicklung in der guten gesunden Kita (2013)

(4) Bundeszentrum für Ernährung (Hrsg.): Esspedition Kita - Ernährungsbildung für die Praxis (2016)

(5) Methfessel B, Höhn K, Miltner-Jürgensen B: Essen und Ernährungsbildung in der KiTa. Entwicklung – Versorgung – Bildung (2016)

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