Kitakinder die gemeinsam essen

Akteure in der Verpflegung von Kindern in Tageseinrichtungen

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Voraussetzung für eine ganzheitliche Gesundheitsförderung im Setting Kita ist, dass diese als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden und gestaltet wird (1). Eine hochwertige Verpflegungsqualität in allen Kitas erfordert ein Zusammenspiel von kompetenten Akteuren auf allen Ebenen der Systeme der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) (2).

Gute Verpflegung ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Bundesländer

Der Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag wird in den Kinderförderungsgesetzen der Länder ausführlich beschrieben. Hinweise zur Verpflegung sind darin in den seltensten Fällen zu finden (3). In den Bildungsplänen für die frühkindliche Bildung vieler Bundesländer wird der Aspekt der Verhaltensprävention durch gesundheitsfördernde Ernährung zwar meist berücksichtigt, eine Verbindung zur Verhältnisprävention im Rahmen der Verpflegung wird hier jedoch nicht gezogen (3). Damit gibt es in den meisten Bundesländern (noch) keine verbindlichen Vorgaben für eine ganzheitliche Gesundheitsförderung in Tageseinrichtungen für Kinder, in der Essen und Trinken sowie Ernährungslernen ganz selbstverständlich in den Alltag eingebettet.

Träger

Die Kita-Träger haben großen Einfluss auf die Verpflegung in den Kitas: Sie schließen einerseits die Verträge mit Caterern und bestimmen andererseits die Rahmenbedingungen in den Kitas vor Ort. Dies gilt sowohl für die personelle als auch die räumliche Ausgestaltung. Sie entscheiden beispielsweise darüber, ob und in welchem Stundenumfang eine Haus-wirtschaftskraft beschäftigt wird oder über die Ausstattung der Küche in der Einrichtung. Mit ihrem Leitbild bestimmen sie außerdem, welchen Stellenwert die Verpflegung in der Kita hat (4). Durch die große Heterogenität der Träger sind die Voraussetzungen und Ressourcen für eine angemessene Verpflegung in deutschen Kitas sehr verschieden. Dementsprechend unterschiedlich professionell sind die Prozesse der Qualitätsentwicklung und die Qualifizierung von Fachpersonal im Bereich Verpflegung und Ernährungsbildung in der Praxis ausgestaltet.

Verpflegungsdienstleister/ Speisenanbieter

Weniger als ein Drittel der Kitas bereitet täglich ein Mittagessen nach dem Frischküchensystem selbst zu (3). Knapp 70 % der Einrichtungen beziehen das Essen dagegen über einen Lieferanten oder Caterer.  Wie aktuelle Untersuchungen zur Qualität der Kita-Verpflegung zeigen, haben Kitas dabei regional sehr unterschiedliche Anbieter für Verpflegung zur Auswahl (3, 5). Dies legt die Vermutung nahe, dass die zunehmende Ganztagsbetreuung und der damit gestiegene Bedarf an Verpflegung bislang nicht zum Ausbau eines professionellen und flächendeckenden Anbieterspektrums für Kitas geführt haben. Laut VeKiTa Studie (3) sind weniger als 10 % der Anbieter auf die speziellen Bedürfnisse von Kindern spezialisiert und nur ein geringer Anteil von unter 16 % der Essensanbieter ist nach DGE-Qualitätsstandard zertifiziert (3).

Kitas

Leitungskräfte haben eine Schlüsselfunktion bei der Sicherstellung und Weiterentwicklung der Qualität in der Kita. Sie arbeiten eng mit dem Träger und mit den Eltern zusammen und haben die Verantwortung für die pädagogischen und organisatorischen Aufgaben der Einrichtung.  Laut einer aktuellen Befragung aus Rheinland-Pfalz (4) ist für Kita-Leitungen in der täglichen Arbeit vor Ort vor allem das Schnittstellenmanagement mit dem pädagogischen Personal von großer Bedeutung. Gelingt die Zusammenarbeit, so scheinen auch die Herausforderungen in der Verpflegung leichter zu bewältigen und die Einbindung von Ernährungsbildung und -projekten leichter zu realisieren zu sein. Von den Kita-Trägern werden die Leitungen nach eigener Aussage zwar in wichtigen Fragen der Verpflegung unterstützt, allerdings scheinen sie selbst nur wenig Einfluss auf die zur Verfügung gestellten Rahmenbedingungen (Verpflegungssystem, Speiseräume und Küchen, Einsatz von hauswirtschaftlichen Fachkräften) zu haben (4). Die pädagogischen Fachkräfte begleiten täglich die Mahlzeiten der Kinder und vermitteln dabei wichtige Kompetenzen. Darüber hinaus haben sie es in der Hand, Bildungsinhalte rund um Essen, Trinken und Lebensmittel in die Lebens- und Lernwelt Kita zu integrieren.

Eltern

Eltern geben ein großes Stück der Verantwortung ab, wenn sie ihre Kinder in Kindertageseinrichtungen geben. Laut Sozialgesetzbuch zur Kinder- und Jugendhilfe sind sie „an den Entscheidungen in wesentlichen Angelegenheiten der Erziehung, Bildung und Betreuung zu beteiligen“ (6). Im Rahmen einer Erziehungs- und Bildungspartnerschaft bringen sie sich in unterschiedlichem Ausmaß in die Gestaltung der Verpflegung in der Kita ein: Zum einen sind sie gefordert, einen aktiven Beitrag zu einer gesundheitsförderlichen Ernährung zu leisten, zum Beispiel durch eine adäquate Zusammenstellung von mitgebrachten Zwischenmahlzeiten. Zum anderen haben Eltern zum Teil hohe Ansprüche an die Qualität der Speisen sowie an die Erziehung und Bildung im Bereich Essen und Trinken, die in der Kita berücksichtigt werden sollten. In einer bundesweiten Befragung zur Zufriedenheit der Eltern mit der Kita beispielsweise haben mehr als die Hälfte der Eltern (52,7%) einheitliche Standards für die Verpflegung der Kinder gefordert (7).

Qualität bundesweit sichern

Die Ergebnisse verschiedener Studien zeigen, dass eine gute Verpflegungsqualität nur in einer Verantwortungsgemeinschaft von Bund, Ländern, Kommunen, Eltern, Trägern sowie den Kitas umgesetzt werden kann (3-5). Mit dem Communiqué "Frühe Bildung weiterentwickeln und finanziell sichern" (8)  haben Bund und Länder im Jahr 2014 einen gemeinsamen Prozess zur Weiterentwicklung der Qualität der Kindertagesbetreuung initiiert. Wie im Zwischenbericht 2016 der Arbeitsgruppe (9) deutlich gemacht wird, haben die jeweiligen Schwerpunktsetzungen in den Ländern zu unterschiedlichen Stärken auf der einen und Handlungsbedarfen auf der anderen Seite geführt. Die weitere Strategie zur Qualitätsentwicklung muss daher die Unterschiedlichkeiten berücksichtigen. Aus diesem Grund konnte die Arbeitsgruppe auch keine isolierten Forderungen an Länder, Kommunen oder Träger von Kindertageseinrichtungen formulieren. Die Entwicklungsdimensionen aus dem Zwischenbericht sollen vielmehr als „Instrumentenkasten“ verstanden werden, den die Akteure in allen Ländern nach individuellem Bedarf zur Qualitätsentwicklung nutzen können (9). Die gemeinsame Strategie dient damit als Rahmen für eine bundesweit gleich hohe Qualität der Kinderbetreuung und -verpflegung.

So kommt das Essen in der Kita auf den Teller

In den meisten Kitas wird das frisch vom Verpflegungsdienstleister zubereitete Mittagessen in isolierenden oder beheizbaren Behältnissen zur Kita transportiert und dort gegebenenfalls bis zur Ausgabe warmgehalten. Dies übernimmt im Idealfall eine Person mit hauswirtschaftlichen und hygienischen Kenntnissen, zum Beispiel eine Hauswirtschaftskraft oder eine Küchenhilfe, die auch für die Ausgaben der Speisen zuständig ist.

Die Mahlzeiten werden in den Kitas meist in den Gruppenräumen eingenommen. Dabei werden die verschiedenen Komponenten in Schüsseln und auf Platten auf den Tischen verteilt, sodass sich jedes Kind selbst bedienen kann. Laut der bundesweiten Studie „I(s)st Kita gut“ bieten 35,5 % der befragten Kitas zusätzlich zum Hauptgericht noch Rohkost und ein Dessert an (5). Das pädagogische Team hilft beim Auflegen der Speisen und begleitet die Kinder während des Essens.

Das Frühstück und die Zwischenmahlzeiten werden häufig vom Kita-Team vorbereitet und in Form eines Büffets präsentiert, das die Kinder je nach Bedarf aufsuchen können.     

Häufig helfen die Kinder beim Decken und Abdecken der Tische und werden in Tätigkeiten wie das Waschen oder Schnippeln von Obst und Gemüse oder die Zubereitung einer Quarkspeise einbezogen.

Quellen

(1) Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Bundesministerium für Gesundheit (Hg): IN FORM Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Nationaler Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten. Berlin (2014)

(2) Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (Hg): DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder. 5. Auflage, DGE, Bonn (2014)

(1) GKV-Spitzenverband: Leitfaden Prävention. Handlungsfelder und Kriterien des GKV-Spitzenverbandes zur Umsetzung der §§ 20 und 20a SGB V vom 21. Juni 2000 in der Fassung vom 10. Dezember 2014. (2014)

(2) Robert Koch-Institut, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Erkennen – Bewerten – Handeln: Zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. (2008)

(3) Tecklenburg E, Arens-Azevêdo U, Pfannes U: Verpflegung in Kindertageseinrichtungen (VeKita): Ernährungssituation, Bekanntheitsgrad und Implementierung des DGE-Qualitätsstandards, in: Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Ernährungsbericht 2016. (2016)

(4) Arens-Azevêdo U, Hesse I, Tecklenburg E: Qualität der Kita- und Schulverpflegung in Rheinland-Pfalz. (2017)

(5) Arens-Azevêdo U, Pfannes U, Tecklenburg E: Is(s)t KiTa gut? KiTa Verpflegung in Deutschland: Status Quo und Handlungsbedarfe. Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. (2014)

(6) Sozialgesetzbuch (SGB VIII): Achtes Buch - Kinder- und Jugendhilfe, § 22a SGB VIII Förderung in Tageseinrichtungen

(7) Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Kita-Qualität in Deutschland – Was wünschen sich die Eltern? Ergebnisse einer bundesweiten Elternbefragung. (2016).

(8) Communiqué: Frühe Bildung weiterentwickeln und finanziell sichern - Bund-Länder-Konferenz zur Qualität in der Kindertagesbetreuung (2014)

(9) Frühe Bildung weiterentwickeln und finanziell sichern - Zwischenbericht 2016 von Bund und Ländern und Erklärung der Bund-Länder-Konferenz (2016)

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