Frische Lebensmittel bereit zum Verarbeiten

Qualitätsentwicklung in der Kitaverpflegung

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Die strukturellen Gegebenheiten für eine bedarfsgerechte und gesundheitsförderliche Verpflegung sind in deutschen Kitas ebenso unterschiedlich wie die Vielfalt der beteiligten Akteure. Standards geben einen Handlungsrahmen vor, an dem sich alle Verantwortlichen gemeinsam orientieren können.

Bedeutung von Standards

Die Qualitätsentwicklung in der Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder umfasst viele Ebenen, die von unterschiedlichen Personen und Organisationseinheiten verantwortet werden. Damit Qualität gelingen kann, müssen alle Akteure in die Prozesse einbezogen werden. Standards können hier wichtige Orientierung bieten: Durch definierte Kriterien geben sie einen Rahmen vor, nach dem sich die Verantwortlichen aus allen Bereichen richten können. Dabei ist das Ziel von Standards nicht, die Verpflegungssituation in allen deutschen Kitas zu vereinheitlichen. Vielmehr soll er den verantwortlichen Akteuren fundierte Argumente und Handlungsempfehlungen liefern, um im eigenen Prozess der Qualitätsentwicklung an den entsprechenden Stellschrauben zu drehen.

Ausgewählte Modelle und Standards

optiMIX®: Die Grundlage für das Ernährungskonzept der Optimierten Mischkost optiMIX® sind die D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, die gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und den österreichischen und schweizerischen Fachgesellschaften erarbeitet wurden. Mit optiMIX® hat das Forschungsinstitut für Kinderernährung eine Kost für Kinder ab 1 Jahr entwickelt, die konkrete Angaben für die Auswahl von Lebensmitteln sowie die Häufigkeit ihrer Verwendung macht. Das Ernährungskonzept gibt auch praxisorientierte Empfehlungen für die Verpflegung in Kindertageseinrichtungen.

optiMIX®

Bremer Checkliste: Die Bremer Checkliste wurde vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) speziell für Kindertagesstätten entwickelt, um Orientierung bei der Gestaltung des Speiseplans und des täglichen Mittagessens zu geben. Sie beruht auf den Empfehlungen der Optimierten Mischkost (optiMIX®). 

Bremer Checkliste (PDF)

Ernährungspyramide: Auch die Ernährungspyramide des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) basiert auf den D-A-C-H-Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr. Mit dem Pyramiden-Modell gewichtet sie die verschiedenen Lebensmittelgruppen, sodass bei abwechslungsreicher Auswahl im Verlauf einer Woche die Nährstoffempfehlungen erreicht werden.

Ernährungspyramide

DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder: Der Qualitätsstandard liefert wissenschaftlich basierte Kriterien für eine optimale Lebensmittelauswahl, definiert die Häufigkeit der Verwendung bestimmter Lebensmittel und gibt praxistaugliche Hilfestellung bei der Speisenplanung und -herstellung, um die ernährungsphysiologischen Anforderungen an eine bedarfsgerechte Verpflegung für Kinder zu erfüllen. Darüber hinaus definiert er, welche strukturellen und organisatorischen Voraussetzungen gegeben sein sollten, um eine optimale Verpflegung anzubieten. Aspekte für eine positive Essatmosphäre und die Bedeutung der Ernährungsbildung in der pädagogischen Arbeit sind darin genauso aufgeführt, wie lebensmittelrechtliche Vorgaben, Kriterien der Nachhaltigkeit und die fachliche Qualifikation des Personals.

DGE-Qualitätsstandard (PDF)

Grenzen von Standards und Unterstützung bei der Umsetzung

Standards geben einen Empfehlungsrahmen vor, der in vielen Bereichen Unsicherheiten und Spielräume lässt. Um ein gemeinsames Qualitätsverständnis zu entwickeln und auf allen Ebenen umzusetzen, ist daher die Vernetzung aller Akteure gefragt. Eine Verankerung von Standards in Leitlinien und Verträgen ist zudem empfehlenswert, um den kontinuierlichen Prozess der Qualitätsentwicklung dauerhaft in Kitas zu etablieren. 

Als Ansprechpartner für Träger und Kommunen möchte das Nationale Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule (NQZ) bestehende Maßnahmen und Initiativen rund um gutes Kita-Essen bündeln und koordinieren. Der DGE-Qualitätsstandard stellt hierfür die Basis und wird gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Praxis kontinuierlich und praxisnah weiterentwickelt. Dabei unterstützt das NQZ auch die Vernetzungsstellen Kita- und Schulverpflegung, die wichtige Ansprechpartner für die institutionelle Begleitung in den Bundesländern sind: Sie informieren, beraten und begleiten die regionalen Akteure vor Ort im Prozess der Qualitätsentwicklung und bieten wertvolle Hilfestellung bei der Umsetzung und Implementierung von Standards.

Vernetzungsstellen Kitaverpflegung: Netzwerk für mehr Qualität

Als eine Initialmaßnahme des Nationalen Aktionsplans IN FORM (1) im Jahr 2008 hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zusammen mit allen Bundesländern "Vernetzungsstellen Schulverpflegung" (VNS) eingerichtet, die Schulen bundesweit bei der Entwicklung und Qualitätsverbesserung eines ausgewogenen Verpflegungsangebotes unterstützen. In einigen Ländern beraten diese nun gemeinsam alle Interessierten als „Vernetzungsstellen Kita- und Schulverpflegung" bzw. als eigenständige Vernetzungsstellen Kita. Hier finden alle Kita-Akteure, die sich für eine verbesserte Qualität der Mahlzeiten und für die Einbettung von gesundheitsförderlichem Essen und Trinken im pädagogischen Alltag einsetzen möchten, die richtigen Ansprechpartner.

Die Vernetzungsstellen Kitaverpflegung informieren, beraten und vernetzen die Akteure im Umfeld von Tageseinrichtungen für Kinder und bieten Qualifizierungsmaßnahmen an. Zentrale Themen sind die Steigerung und Sicherung der ernährungsphysiologischen und sensorischen Qualität der Kitaverpflegung auf Basis des DGE-Qualitätsstandards, Hilfestellungen bei der Prozessorganisation, der Auftrags- und Leistungsvergabe sowie bei Fragen rund um die Ernährungsbildung. Damit unterstützen die Vernetzungsstellen die Verantwortlichen vor Ort dabei, ein Umfeld zu schaffen, in dem Kinder frühzeitig an eine gesunde Ernährung herangeführt werden. Welche Schwerpunkte dabei gesetzt werden, ist in den einzelnen Bundesländern genauso vielfältig, wie die Träger der Vernetzungsstellen.

Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Baden-Württemberg

Träger: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE), Sektion Baden-Württemberg

Die Arbeit der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Baden-Württemberg konzentriert sich auf die Beratung rund um Aufbau, Optimierung und Qualität von Angeboten der Gemeinschaftsverpflegung in Kitas und Schulen. Für Akteure in der Kitaverpflegung veranstaltet sie Netzwerktreffen, Werkstattgespräche und Profi-Treffs. Bei Bedarf vermittelt die Vernetzungsstelle einen Praxisbegleiter. Das Aufgabengebiet der Ernährungsbildung für Kinder bis 12 Jahre ist bei der Landesinitiative BeKi (Bewusste Kinderernährung) angesiedelt.

http://dge-bw.de/schulverpflegung/

Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Bayern

Träger: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Bayern besteht aus acht regionalen Vernetzungsstellen an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und einer Fachstelle Kita- und Schulverpflegung am Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn), die Konzepte entwickelt und die wissenschaftliche Begleitung der Maßnahmen für Kindertageseinrichtungen übernimmt.

www.schulverpflegung.bayern.de

www.kern.bayern.de

Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Berlin

Träger: Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Berlin e.V. (eigenständiger Verein)

Die Vernetzungsstelle ist beratender Partner des Berliner Landesprogramms „Kitas bewegen – für die gute gesunde Kita“ und unterstützt Kitas in den drei Handlungsfeldern „Verpflegungsangebot", "Ernährungsbildung" und "Kommunikation“.

vernetzungsstelle-berlin.de

Vernetzungsstelle Kitaverpflegung Mecklenburg-Vorpommern

Träger:  Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE)

Die Vernetzungsstelle informiert und berät verschiedene Interessensvertretungen bei Fragen zur Speisen- und Getränkeversorgung in Tageseinrichtungen für Kinder. Ihr zentrales Ziel ist die Verbesserung der bestehenden Verpflegungsangebote in den Tageseinrichtungen für Kinder. Außerdem unterstützt die Vernetzungsstelle Kitaverpflegung bei der Umsetzung der Vollverpflegung als gesetzlichen Anspruch und berät bei der Bereitstellung geeigneter Zwischenverpflegungsangebote.                                         

www.dgeveki-mv.de

Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Nordrhein-Westfalen

Träger: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

Mit der Initiative "Kita gesund & lecker" berät die Verbraucherzentrale NRW seit März 2014 landesweit Kitas und ihre Träger bei der Umsetzung eines gesunden und nachhaltigen Verpflegungsangebotes. Dieses Projekt hat sich verstetigt und ist als dauerhafte Beratungsdienstleistung seit Beginn des Jahres 2017 Teil der gemeinsamen Vernetzungsstelle Kita und Schulverpflegung Nordrhein-Westfalen.

projekte.meine-verbraucherzentrale.de/DE-NW/kita-schulverpflegung

Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Rheinland-Pfalz

Träger: Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten

Die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Rheinland-Pfalz ist angesiedelt am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Westerwald-Osteifel. Sie trägt dazu bei, dass an allen Kitas in Rheinland-Pfalz eine gesundheitsförderliche, akzeptierte und wirtschaftliche Verpflegung angeboten wird. Aufgrund der engen Verzahnung mit der Ernährungsberatung der DLR können Projekte und Maßnahmen der Vernetzungsstelle flächendeckend umgesetzt werden. Angeboten werden Fachtagungen und Workshops, eine Qualifizierung zur Ernährungs-Kita und Speiseplan-Checks.

www.kitaverpflegung.rlp.de

Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Saarland

Träger: Saarländisches Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

Zentrale Aufgaben der Vernetzungss­telle Saarland sind die ver­bindliche Einfüh­rung des DGE-Qualitätsstandards und ein vermehrter Ein­satz regiona­ler und saisonaler Le­bensmittel.

www.vernetzungsstelle-saarland.de

Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Sachsen

Träger: Sächsische Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V.

Das übergeordnete Ziel der Vernetzungsstelle ist eine Verbesserung der Ernährungs- und Verpflegungssituation in sächsischen Kindertageseinrichtungen durch die Verbreitung und Umsetzung der DGE-Qualitätsstandards für die Verpflegung in Kindertageseinrichtungen.

www.vernetzungsstelle-sachsen.de

Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Sachsen-Anhalt

Träger: Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt e. V.

Neben der Befähigung relevanter Zielgruppen zur eigenständigen Umsetzung der DGE-Qualitätsstandards setzt sich die Vernetzungsstelle in Sachsen-Anhalt auch für die Verknüpfung von Ernährungsbildung mit Verpflegungsangeboten und die Nutzung gesellschaftlicher Ernährungstrends (Bio, regional) für die Gemeinschaftsverpflegung ein.

www.lvg-lsa.de

Vernetzungsstelle Kita-Verpflegung Thüringen

Träger: symbioun e.V.

Die Servicestelle Ernährung für Kinder und Familien ist ein Förderverein für Prävention und ganzheitliche Gesundheit aus dem thüringischen Gotha, an der die Vernetzungsstelle angegliedert ist. Er unterstützt und berät alle Institutionen und Einrichtungen, die Verpflegung und/oder Ernährungsbildungsangebote für Kinder von null bis sechs Jahren anbieten.

symbioun.de

Quellen

(1) Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Bundesministerium für Gesundheit (Hg): IN FORM Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Nationaler Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten. Berlin (2014)

(2) Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (Hg): DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder. 5. Auflage, DGE, Bonn (2014)

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