Schulklasse spielt Ballsport in der Sporthalle.
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From Science 2 School

Quelle: pixabay © Stefan_Schranz

So lautet der Titel einer Schulstudie zum Ernährungs- und Bewegungsverhalten österreichischer Schüler*innen, Lehrkräfte und Schulleitungen. Ziel war es, Ernährungsformen und Bewegungsverhalten im schulischen Kontext zu messen und in einen Zusammenhang zu setzen.

Im Rahmen der multidisziplinären Querschnittstudie „From Science 2 School“ untersuchten Wissenschaftler*innen das Lebensstilverhalten österreichischer Schüler*innen, Lehrkräfte und Schulleitungen mithilfe eines Online-Fragebogens. Ziel der Studie war die erstmalige Erhebung der Häufigkeitsverteilung verschiedener Ernährungsformen (Mischkost, vegetarisch, vegan) in Verbindung mit Sport- und Bewegungsverhalten im schulischen Kontext (Schüler*innen, Lehrkräfte, Schulleitungen).

In Österreich haben etwa 2.680 Schulen eine Sekundarstufe I und/oder II mit über 770.000 Schüler*innen und mehr als 89.000 Lehrkräften und Schulleitungen. Die Online-Befragung fand im Schuljahr 2019/20 statt. Für die repräsentative Studie konnten Daten von 8.799 Schüler*innen sowie von 1.350 Lehrkräften und Schulleitungen berücksichtigt werden (entspricht 1,14 % bzw. 1,51 % der Gesamtstichprobe).

Ausgewählte Ergebnisse im Überblick: Schüler*innen

  • 12,4 % der Schüler*innen waren untergewichtig, 11,8 % waren übergewichtig, davon 4,7 % adipös. Jungen waren häufiger von Übergewicht oder Adipositas betroffen als Mädchen, ebenso eher Schüler*innen aus städtischem als aus ländlichem Raum.
  • Die Mehrheit der Schüler*innen (84,3 %) ernährte sich traditionell (Mischkost), 8,5 % vegetarisch und 7,2 % vegan. Eine vegetarische Ernährung war bei Mädchen häufiger vertreten als bei Jungen (10,7 % vs. 4,6 %), während sich mehr Jungen als Mädchen vegan ernährten (8,4 % vs. 6,5 %).
  • Vegetarisch lebende Schüler*innen hatten den im Durchschnitt niedrigsten BMI und die niedrigste Adipositasrate. Es gab im Hinblick auf die verschiedenen Ernährungsformen keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Prävalenz von Übergewicht. Untergewicht zeigte sich signifikant häufiger bei Vegetarier*innen und Veganer*innen.
  • Etwa 82 % der Schüler*innen treiben in der Freizeit regelmäßig Sport. Sich vegan oder vegetarisch ernährende Schüler*innen waren häufiger sportlich aktiv als Mischköstler*innen. Jungen machten häufiger Sport als Mädchen. Die Teilnahme an sportlichen Aktivitäten nahm mit zunehmendem Alter ab.
  • Ein signifikanter Zusammenhang zeigte sich zwischen regelmäßiger sportlicher Betätigung und einer geringeren Prävalenz von Übergewicht und Adipositas.
  • Es zeigten sich außerdem signifikante Zusammenhänge zwischen sportlicher Aktivität in der Freizeit und einem höheren Konsum von Obst, Gemüse und Wasser. Softdrinks wurden eher von Kindern und Jugendlichen konsumiert, die weniger sportlich aktiv waren.

Ausgewählte Ergebnisse im Überblick: Lehrkräfte und Schulleitungen

  • In der Gruppe der Erwachsenen waren 34,4 % übergewichtig, davon 8,8 % adipös.
  • Die Mischkost stellte die häufigste Ernährungsform dar (89,3 %). 7,9 % ernährten sich vegetarisch und 2,9 % vegan. Frauen ernährten sich häufiger vegetarisch oder vegan als Männer.
  • Erwachsene, die sich von Mischkost ernähren, hatten einen signifikant höheren BMI als vegetarisch oder vegan lebende Erwachsene. Als signifikant zeigte sich eine höhere Prävalenz von Untergewicht bei vegan lebenden Teilnehmenden.
  • Das Ausüben von Freizeitsport war signifikant mit einem geringeren Körpergewicht und BMI assoziiert.
  • Es zeigten sich positive Zusammenhänge zwischen regelmäßigem Freizeitsport und der Ernährungsform: Vegetarier*innen und Veganer*innen trieben häufiger Sport als Mischköstler*innen, außerdem konsumierten sie häufiger Obst, Gemüse und Wasser.

Die gesunde Wahl zur einfacheren Wahl machen

Mit der Studie wollten die Fachleute eine Datenlücke schließen: Obwohl nachhaltige Ernährungsformen immer wichtiger werden, lagen bislang keine Daten hinsichtlich der Prävalenzen aktueller Ernährungstrends sowie zu möglichen Zusammenhängen zum Bewegungsverhalten und zu gesundheitsrelevanten Lebensstilen im schulischen Kontext vor.

Die Ergebnisse unterstreichen nach Auffassung der Wissenschaftler*innen die Notwendigkeit fortgesetzter Bemühungen, Schüler*innen, Lehrkräften und Schulleitungen die Wahl eines gesunden Lebensstils zu erleichtern. Da Lehrkräfte und Schulleitungen als Vorbilder und Multiplikator*innen für die nächsten Generationen gelten, müsse den in der Studie identifizierten ungünstigen Lebensgewohnheiten mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Die Förderung der schulischen Gesundheit sei ein Beitrag für das Bildungssystem und die Allgemeinheit insgesamt. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten daher Grundlage für Handlungsoptionen und konkrete Maßnahmen zur Gesundheitsförderung im schulischen Setting sein.

Hintergrund

Die Studie wurde im Bereich Sportdidaktik/Sportpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Tirol (PHT) als Forschungsprojekt am Institut für fachdidaktische und bildungswissenschaftliche Forschung und Entwicklung durchgeführt. Sie wurde durch die Tiroler Wissenschaftsförderung gefördert, vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung unterstützt und durch alle neun Bildungsdirektionen Österreichs genehmigt.

Mehr Informationen zur Studie unter https://www.science2.school/

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Quelle

Bhardwaj J, Schätzer M, Gutmann N, Hoppichler F, Drenowatz C, Cocca A, Tanous DR, Motevalli M, Wirnitzer G, Ruedl G, Kirschner W, Wirnitzer KC: From Science 2 School. A study on the diet and exercise behaviour of Austrian students and teachers/school principals. ErnahrungsUmschau 2024; 71(5): 34–44.

The English version of this article is available online: DOI: 10.4455/eu.2024.012