Ein Junge im Kitaalter steht neben seinem Fahrrad an einem See. Er trägt einen Helm, das Fahrrad hat einen Sicherheitswimpel.
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Strategien und Instrumente für eine nachhaltige Kommunalentwicklung

Quelle: pixabay © pasja1000

Für eine nachhaltige Transformation von Kommunen bestehen vielfältige Gestaltungs- und Handlungspotenziale. Der Deutsche Städtetag sowie ein Forschungsprojekt der Universität Freiburg zeigen Ansätze, Umsetzungsstrategien und praxiserprobte Instrumente auf.

Positionspapier des Deutschen Städtetages

Der Deutsche Städtetag zeigt sich in seinem Positionspapier davon überzeugt, dass über den Erfolg nachhaltiger Entwicklung in den Städten entschieden wird. Auf Kommunen liege ein besonderer Fokus: Menschen erleben dort unmittelbar die Folgen von Krisen wie etwa dem Klimawandel, gleichzeitig haben sie direkte Mitwirkungs- und Gestaltungsoptionen. Um den Menschen Gestaltungs- und Handlungspotenziale zu eröffnen, ist für den Deutschen Städtetag die strukturelle Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ein zentraler Schlüssel.

  • BNE als Teil des Transformationsprozesses auf lokaler Ebene
    Das gelinge vor allem dann, wenn BNE strukturell von allen Akteuren verankert werde, so der Deutsche Städtetag. Bildung für nachhaltige Entwicklung umfasse ökologische, ökonomische, soziale und kulturelle Dimensionen. So spielten auch Bereiche wie etwa Konsum, Naturschutz und Biodiversität, Gesundheit und Ernährung, Globales Lernen, Geschlechtergerechtigkeit oder nachhaltige Wirtschaft und Mobilität eine wichtige Rolle. Als einen von mehreren Umsetzungsschritten nennt der Deutsche Städtetag die Berücksichtigung von BNE in den formalen und non-formalen Bildungsangeboten der Stadt. Dies betreffe insbesondere die strategische Steuerung im Bereich Schule, aber etwa auch in den Bereichen frühe Bildung oder offene Jugendarbeit.
  • Stärkung durch Bund und Land – Qualifizierung der Akteure
    Bund und Länder sollten die kommunalen Bildungslandschaften und BNE als integralen Bestandteil stärken, so der Deutsche Städtetag. Die Verankerung von BNE in der schulischen Bildung stelle die Akteure vor große Herausforderungen. Damit BNE der Schulentwicklung selbstverständlich werde, seien eine Berücksichtigung in Ganztagsangeboten, Kernlehrplänen sowie neue Lernformate zum Erwerb von Zukunftskompetenzen notwendig. Damit dies gelingt, bedarf es einer Vertiefung von BNE in allen Phasen der Lehrkräfte- sowie der Pädagogikausbildung.

Portale zum Status Quo von BNE und Nachhaltigkeit in Kommunen

  • Um den Beitrag der deutschen Kommunen zur Agenda 2030 der Vereinten Nationen aufzuzeigen, haben unter anderem die kommunalen Spitzenverbände, das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) und die Bertelsmann Stiftung das Gemeinschaftsprojekt „SDG-Indikatoren für Kommunen“ initiiert. Im Rahmen des Projektes wurden die 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDG) der Vereinten Nationen auf deutsche Kommunen übertragen. Kommunen ist es damit möglich, über ein Portal die Entwicklung vor Ort zu bewerten und entsprechende Maßnahmen zu planen. Wo Kommunen auf ihrem Weg zu den Nachhaltigkeitszielen stehen, können sie hier einsehen: https://sdg-portal.de/de/
  • Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Verbundprojekt „Bildung – Nachhaltigkeit – Kommune: BNE-Kompetenzzentrum für Prozessbegleitung und Prozessevaluation (BiNaKom)“ begleitet 48 Modellkommunen bundesweit bei der systematischen Weiterentwicklung und Implementierung von BNE auf lokaler Ebene und bereitet konkrete Praxisbeispiele auf. www.bne-kompetenzzentrum.de/de

Instrumente für eine nachhaltige Kommunalentwicklung

Mit einer nachhaltigen Entwicklung in Städten und Gemeinden hat sich ein Forschungsprojekt der Universität Freiburg auseinandergesetzt. Auf dem Weg zu nachhaltigen und klimaangepassten Städten und Gemeinden muss Ernährung zu einem zentralen Bestandteil kommunaler Strategien werden, so die Wissenschaftler*innen. Besonderes Augenmerk gelte daher der lokalen bzw. regionalen Ernährungswirtschaft als treibender Kraft eines kommunalen Ernährungssystems. Das Forschungsprojekt hatte deshalb zum Ziel, Instrumente zu identifizieren, die eine nachhaltige Kommunalentwicklung fördern.

Gemeinsam mit Partnern wie (u.a.) der Stadt Leutkirch im Allgäu und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund haben die Wissenschaftler*innen einen Leitfaden konzipiert, der praxiserprobte kommunale Instrumente dokumentiert. Der Leitfaden unterscheidet vier Gruppen von Instrumenten und dokumentiert diese anhand von Städten und Gemeinden, die in diesem Handlungsfeld bereits Fortschritte erzielt haben.

  • Instrumente der Regulierung: Instrumente, bei denen die Kommu­nalverwaltung durch Planung und unterstützende Vorschriften die lokale nachhaltige Ernährungs­wirtschaft stärkt. Beispiel: Marktordnungen zur Stärkung kommunaler Erzeugerbetriebe
  • Ökonomische Instrumente: Instrumente, die der direkten kommunalen Wirtschaftsförderung zuzuordnen sind. Beispiel: Öffentliche Beschaffung einer nachhaltigen Schulverpflegung
  • Instrumente der Kooperation: Instrumente, bei denen die Kommunalverwaltung zwar federführend ist, aber durch starke Partnerschaften die lokale nachhaltige Ernährungswirtschaft stärkt. Beispiel: Partizipative Entwicklung einer kommunalen Ernährungsstrategie.
  • Instrumente der Information: Instrumente, bei denen die Kommunalverwaltung die lokale nachhaltige Ernährungswirtschaft durch Aufklärung, Bildung und Beratung unterstützt. Beispiel: Studien und Bestandsaufnahmen, z. B. zum Status Quo der kommunalen Gemeinschaftsverpflegung.

Großes Interesse an Erfahrungstransfer

Die nachhaltige Gestaltung des Ernährungssystems wird von immer mehr Städten und Gemeinden als kommunale Kernauf­gabe erkannt, so die Autor*innen in ihrem Fazit. Das Interesse an einer gezielten Stärkung der lokalen nachhal­tigen Ernährungswirtschaft sei groß, allerdings fehle es in vielen Kommunalverwaltungen noch an Wissen und Kapazitäten, um konkrete positive Beiträge zu leisten. Der vorliegende Leitfaden will hier eine Lücke schließen.

Lesenwertes zur News

Quellen

  • Pressemeldung des Deutschen Städtetages vom 27.06.2023. Ansätze einer strukturellen Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung
  • Universität Freiburg – Stadt Leutkirch im Allgäu. Projekt KERNiG zur nachhaltigen Gestaltung von Ernährung auf kommunaler Ebene
  • Sipple, D., & Wiek, A. (2023). Kommunale Instrumente für die nachhaltige Ernährungswirtschaft. Freiburg i.Br.: Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie, Universität Freiburg. DOI: 10.6094/UNIFR/235345